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Stadtmuseum in Čelákovice

Im Jahre 2003 erinnern wir an das hundertjährige Jubiläum der Entstehung eines der ältesten Museen im ehemaligen Bezirk Brandýs sowie im gegenwärtigen Bezirk Prag-Ost. Seine Stiftung wurde nicht nur von gesamtnationalen oder -staatlichen  ethnographischen Ausstellungen und ähnlichen Veranstaltungen, sondern auch vom  Patriotismus, dem Interesse für die kulturellen Werte, von vaterländischer Gesinnung und vom Weitblick der damaligen Stadtvertreter und weiterer Bürger, vornehmlich der Lehrer der Stadt Čelákovice, sehr wesentlich beeinflußt. 

Die Aufforderung des Bürgermeisters zur Schenkung der altertümlichen Denkmäler und gleichzeitig zur Gründung eines regionalen Museums am 23. 9.  1903 traf auf ein überaus positives Echo. Im Verlaufe einer kurzen Zeit wurden zirka 100 unterschiedliche Sammlungsgegenstände in einem Zimmer des damaligen Rathauses für die Öffentlichkeit ausgestellt. Dank zahlreicher Geschenke aus der Bürgerschaft wurden die Sammlungen sukzessive ergänzt und erweitert. Auf diese Weise erwarb das Museum auch archäologische Funde,  zunächst aus den hiesigen Ziegeleien. Nach der Errichtung des neuen Rathauses im September 1911 wurde den Bedürfnissen des Stadtmuseums wiederum ein großes Zimmer gewidmet. Der erste Weltkrieg schränkte die Museumstätigkeit vorlaufig ein, die erst wieder nach dem Entstehen der Republik erneuert wurde.

Die wachsenden Sammlungen erforderten größere Räume, die das Rathaus nicht aufzuweisen hatte. Seit 1939 verwaltete der Verein zur Verschönerung und der der  Kleingärtner in Čelákovice die Sammlungen. Seine „Museumsabteilung“ gewann dank der Stadt drei Räume, wo die Museumssammlungen im Jahre 1941 zugänglich gemacht wurden. Die Ausstellung, in welcher 532 Exponate präsentiert wurden, nutzte hierbei das Rahmenprogramm des Verbandes der tschechoslowakischen Museen; außerdem wurde sie mit sieben weiteren Museen zur „Musterexposition“ für kleinere Regionalmuseen.

Die Kriegsjahre fanden ihren Niederschlag auch im Leben des hiesigen Museums, welches im März 1944 geschlossen wurde. Sofort in den ersten Tagen nach Kriegsende gab es Bestrebungen, die Tätigkeit des Museums wiederaufzunehmen. Leider spielte die Frage nach der Wiederherstellung des Museums für die Stadtvertreter angesichts der unterschiedlichsten politischen und sonstigen  Probleme nur eine Nebenrolle. Im Zusammenhang mit der Lösung von Wohnungsproblemen mußten die Museumssammlungen im Mai 1949 in zwei Räume des ehemaligen Gasthauses in der Festung umziehen, wo sie - in Kisten verpackt - zunächst verblieben. Aus politischen Gründen wurde der Verschönerungsverein im Jahre 1951 aufgelöst und die Museumssammlungen blieben weiterhin unzugänglich.

Im Oktober des Jahres 1956 ist es gelungen, einen Teil der Sammlungen anläßlich einer Ausstellung zu präsentieren. Im April des folgenden Jahres konnten die Besucher schon die Dauerausstellung bewundern. Auf diese Weise wurde das Jahr 1957 zu einem Meilenstein in der Geschichte des Museums von Čelákovice. In den folgenden Jahren geriet die Museumstätigkeit mit Hilfe eines Kreises freiwilliger Museumsmitarbeiter nurmehr ins Unterbewusstsein der breiten Öffentlichkeit sowie der Vertreter der Stadt, des Bezirks und des Landkreises ein. In den freigelegten Räumen der Festung wurden neue Expositionen eingerichtet und im wiederhergerichteten Hofobjekt fand eine Reihe von Ausstellungen statt.

Die Durchsetzung der neuen Strategie der kommunistischen Kulturpolitik durch die übergeordneten Organe führte zu starken Kontroversen mit den Mitgliedern des Museumsvereins - diese wurden von offizieller Seite als Feinde bezeichnet. In Folge dieser Entwicklungen wurde das hiesige Museum Mitte 1965 in eine Zweigstelle des Bezirksmuseums Prag-Ost umgewandelt, was eine starke Schwächung der Arbeit des hiesigen Museumskreises zur Folge hatte. Das Vorhaben des Museumsdirektors, die Geschichte der Arbeiterbewegung sowie der Industrie des Bezirkes  im gesamten Objekt  zu präsentieren, wurde glücklicherweise nicht verwirklicht. Ende 1966 erkannten auch die Organe des Bezirksnationalkomitee Prag-Ost, dass die Lage im hiesigen Museum einer Lösung bedarf. Außerdem wurde die Funktion des Direktors zu Beginn des Jahres 1967 neu besetzt. Trotz dieses Schrittes verbesserte sich die Situation nur wenig. Der Fachmann kam hier nur selten zum Zuge, ein Umstand, welcher die gesamte Museumstätigkeit  beeinflusste. Auf Grund der bisher eher negativen Ergebnisse der unfreiwilligen Fusionierung verliefen die Verhandlungen mit dem damaligen Direktor des Kabinetts der Museums- und Heimatkundearbeit in Prag, V. Pubal, positiv. Nach der Gewinnung seiner Unterstützung sowie dank der Förderung des Kulturministeriums der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik konnte die Stadt mehr Selbständigkeit erlangen - am 1. Januar 1969 erwarb das Stadtmuseum in Čelákovice wieder ein eigenes Statut.

Zum Direktor wurde PhDr. Z. Šolle ernannt, der Museumskreis erneuerte seine  Aktivitäten. Innerhalb der Festung wurden weitere Räume für die Bedürfnisse des Museums freigestellt. Im folgenden Jahr konnten ältere Expositionen neu herrichtet sowie neue Ausstellungen eingerichtet werden. Diese Instandsetzungen fanden in den Fachkreisen hohe  Anerkennung. Das Jahr 1970 hatte allerdings auch seine Schattenseiten. Nach der Ausstellung „Phantasie und Realität“, welche die Erfolge der Erkundungen des Weltalls dokumentierte, wurde Z. Šolle von der Direktorfunktion entbunden und dem Autor des Beitrages das Betreten des Museums verboten. Zum neuen Direktor wurde ein junger aktiver Kommunist ernannt, der die Ausstellungen des ganzen Museums umgestalten sollte. Den Plan einer Ausstellung zur Geschichte der Arbeiterbewegung und der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei sowie die ganze Situation bewältigte er psychisch nicht; nach längeren Therapiemaßnahmen wurde er ebenfalls aus seiner Funktion abberufen. Ende 1970 kam es zur neuerlichen Ausschreibung der Direktorenstelle. Im März des Jahres 1972 wurde der Autor dieses Beitrages zum Direktor ernannt.

Nach Jahren wurden die finanziellen Mittel für die Instandsetzung des ganzen, beträchtlich verkommenen Festungsobjektes besorgt. Es ist gelungen, hier  bauhistorische und archäologische Untersuchungen  durchzuführen. Ihre Ergebnisse bildeten die Grundlage der Projektdokumentation für die gesamte Rekonstruktion des Objektes, die bis zum Jahre 1982 andauerte. Im Verlaufe der Außenarbeiten, die zu Beginn des folgenden Jahres beendet werden konnten, wurde die neue Exposition bereits  im gesamten Objekt vorbereitet. Diese wurde am 21.6.1983 feierlich eröffnet.

Nach nur zehn Tagen verlor das Museum in Čelákovice am 1. 7. 1983 - dank der Vertreter des damaligen Bezirkskomitees der Kommunistischen Partei und des damaligen Bezirksnationalkomitees  - wiederum für einige Jahre den Status seiner Selbständigkeit; mit allen Folgen, die mit diesem kommunistischen Willkürakt  verbunden waren. Das umfassende Team von freiwilligen Mitarbeitern wurde seiner Tätigkeit beraubt - auf diese Weise wurden wichtige Verknüpfungen für die uneigennützige Mitarbeit unterbrochen. Diese Kooperation konnte nach der wiederholten Trennung am 1. Juli 1990 bedauerlicherweise nicht wieder erneuert werden. Im Jahre 1991 ist es gelungen, die Rekonstruktion des Geburtshauses des hiesigen Malers Čeněk Janda zu realisieren. Im Juni des gleichen Jahres wurde hier die Ausstellung  „Korbmacherei in Čelákovice“ geöffnet. Im Jahre 1996 erwarb das Museum ein zusätzliches Objekt in der Rybářská-Straße. Nach Abschluß der  Baumaßnahmen, seit dem Ende des Jahres 1998,  befinden sich hier archäologische Arbeitsräume und Depots.

An der gegenwärtigen umfangreichen Tätigkeit des Stadtmuseums in Čelákovice nehmen zwanzig Angestellte, einschließlich von neun Fachleuten, teil. Außer seiner Hauptaufgabe führt das Museum weitere Tätigkeiten auf kulturellem Gebiet durch und sorgt für archäologische „Rettungsuntersuchungen“, wobei sie in den 55 Katastern der Gemeinden mit mehr als 30 000 ha Fläche wirkt. Für die Besucher sind  neben der Dauerexposition auf einer mehr als 550 m2 großen Fläche, zahlreiche Ausstellungen, Vorträge und Besprechungen vorbereitet. Überdies stellen die beständige Pflege des Sammlungsbestandes mit mehreren hunderttausend Objekten sowie zahlreiche überregionale Aktivitäten die gegenwärtige „Visitenkarte“ des Hauses dar - Ergebnisse einer vieljährigen, systematischen und fachlich anspruchsvollen Arbeit der Stadtmuseumsarbeiter.

 
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